Das Kommunikationsmodell nach Schulz von Thun

Kommunikationsmodell_Schulz_Thun

Erstellt von Kristine Schmeizl

Kategorie: Erzieherwissen

17.03.2022

Das 4-Ohren-Modell wurde von dem Psychologen Friedemann Schulz von Thun entwickelt. Das Kommunikationsmodell, auch Kommunikationsquadrat oder Nachrichtenquadrat genannt, umfasst 4 Seiten einer Nachricht.

Jede Nachricht kann auf vier Ebenen kommuniziert und auf vier Ebenen gehört und interpretiert werden. Unterschieden werden die Sachebene, die Selbstoffenbarungsebene, die Beziehungsebene und die Appellebene.

📌 Kommunikation gelingt dann, wenn die vier Ebenen in einer Kommunikation übereinstimmen. Andernfalls kommt es zu Missverständnissen und Konflikten.

Daher ist es wichtig, dass wir:

  • Ohne Wertung, dem Kommunikationspartner aktiv zuhören
  • Äußerungen deutlich formulieren, um die Kommunikation gelingen zu lassen

💡 Sinnvoll ist es, Ich-Botschaften in den Kommunikationsablauf mit einzubinden. So können wir unser Empfinden mitteilen und Kommunikation ist weniger von Störungen geprägt.

Das Vier Ohren Modell | Schulz von Thun

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Was ist das Vier-Ohren-Modell, und auf welchen Aussagen beruht es?

Schulz von Thun, welcher dieses Modell aufstellte, verweist darauf, dass jede Nachricht auf vier Ebenen kommuniziert und auf vier Ebenen gehört und interpretiert werden kann.

Je nachdem, wie ich die Kommunikation aufnehme, wie ich das verstehe, was mir mein Gegenüber sagt, nach diesem Aspekt erfolgt meine Interpretation.

⛔ Missverständnisse oder Konflikte in der Kommunikation können dann auftreten, wenn die einzelnen Ebenen unterschiedlich gewichtet sind oder sie mit unterschiedlichen Inhalten befüllt werden, dazu später gleich mehr.

Welche vier Seiten werden im Kommunikationsprozess unterschieden?

Schulz von Thun Kommunikationsmodell 1
Schulz von Thun Kommunikationsmodell

1. Sachebene

Auf der Sachebene geht es um die reine Information, die die Nachricht enthält:

  • Daten
  • Fakten
  • Sachverhalte

💡 Das heißt, es geht um die Information, welche der Sender zum Empfänger schickt, also worüber gesprochen wird.

Der Sender überprüft, ob die Nachricht, welche der Empfänger schickt, der Wahrheit entspricht, welche Relevanz, also inwiefern die Nachricht eine Bedeutung für mich als Empfänger hat und ob die Mitteilung hinlänglich ist.

📌 Damit ist gemeint, ob ich ausreichende oder unzureichende Sachhinweise habe.

Beispiel:

Die Ampel ist rot„. Damit teilt der Sender dem Empfänger, die Sachinformation mit, dass die Ampel rot ist. Der Empfänger überprüft dies auf die drei Kriterien und bleibt dann hoffentlich stehen, wenn sie rot ist.

2. Selbstkundgabe – (Selbstoffenbarungsebene)

Auf der Selbstoffenbarungsebene geht es darum, was der Sender dem Empfänger über sich selbst offenbart.

Jede Äußerung verweist auf:

  • Werte
  • Gefühle
  • Ansichten
  • Bedürfnisse des Senders

💡 Die Nachricht verrät demnach etwas über den Sender: Vielleicht wie es ihm geht, wie er sich fühlt oder was gewünscht ist.

Beispiel:

Übertragen auf das Beispiel mit der roten Ampel, könnte der Sender dem Empfänger mitteilen: „Ich habe Angst um mein Leben, wenn du über die rote Ampel fährst„.

3. Beziehungsebene

Auf der Beziehungsebene, wie der Name der Ebene auch schon verrät, geht es um die zwischenmenschliche Beziehung von Sender und Empfänger.

Das Verhältnis untereinander wird in der Kommunikation deutlich:

Haben Sie eine gute Beziehung zueinander oder können sie sich nicht leiden?

➤ Die Auswirkungen zeigen sich in der Kommunikation

Zusätzlich kommt hinzu, dass oft die Kommunikation von der Art und Weise des Sprechenden abhängt:

  • Mimik
  • Gestik
  • Tonfall

Je nachdem, wie der Sender mit dem Empfänger kommuniziert, interpretiert der Empfänger die Nachricht anders.

Beispiel:

Mit dem Satz, „Die Ampel ist rot„, möchte der Sender dem Empfänger vielleicht mitteilen: „Ich denke, du siehst die rote Ampel nicht, deshalb sag ich’s dir, dass du stehen bleibst„.

💡 Hier spielt eine große Rolle, wie der Sender die Nachricht äußert.

  • Teilt er die Botschaft neutral mit: „Die Ampel ist rot
  • Oder sagt er „Hallo, die Ampel ist rooot!

Du hörst schon, dass man sich durch einen vorwurfsvollen Ton schnell angegriffen fühlen kann und dass hier möglicherweise die Beziehung von Sender und Empfänger gestört ist. Demnach besteht in so einem Fall ein großes Konfliktpotenzial.

4. Appellebene

Die Appellebene steht für das Erreichen eines Ziels: Der Sender äußert einen Wunsch oder eine Aufforderung an den Empfänger.

Die Interpretationsmöglichkeit könnte in dem Beispiel wie folgt sein:

  • Bitte bremse
  • Bleib stehen, denn die Ampel ist rot

Wie gelingt Kommunikation?

  • Kommunikation gelingt, wenn alle vier Ebenen übereinstimmen
  • Sowohl Sender als auch Empfänger sind entscheidend für die Qualität der Kommunikation

Schulz von Thun spricht von einer kongruenten Kommunikation, da Klarheit auf den einzelnen Ebenen herrscht.

Förderlich ist es, dem anderen …

  • … aktiv zuzuhören
  • … Äußerungen sehr deutlich zu formulieren
  • … Ich-Botschaften in den Kommunikationsprozess miteinzubinden

Ich-Botschaften sind klare Aussagen, wie sich der Sender fühlt und offenbaren zugleich wichtige Informationen an den Empfänger, ohne dass die Botschaft als Angriff gegen die eigene Persönlichkeit interpretiert werden kann.

📌 Sie liefern Aussagen der Art:

  • Ich bin ein Mensch
  • Ich habe Anliegen, Probleme, Gefühle, etc.

… und fördern eine effektive Kommunikation.

Beispiel:

Der Sender könnte dem Empfänger in einer Ich-Botschaft mitteilen: „Ich wünsche mir, dass du langsamer fährst, das ist mir unangenehm

➤ Somit kommt es weniger zu Missverständnissen und die Gewichtung der einzelnen Ebenen wird von beiden Kommunikationspartnern gleich interpretiert.

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