Resilienz – Definition, Schutzfaktoren, Förderung

Resilienz Schutzfaktoren

Erstellt von Kristine Schmeizl

Kategorie: Erzieherwissen

26.10.2022

Resilienz ist die psychische Widerstandsfähigkeit des Menschen. Je nachdem, ob wir eine hohe Resilienz oder eine niedrige Widerstandsfähigkeit haben, eine höhere Verletzbarkeit, die als Vulnerabilität bezeichnet wird, demzufolge zeigen sich die Auswirkungen in der Gesundheit.

Können wir mit Stress, negativen Emotionen oder Ereignissen gut umgehen, werden wir als resilient bezeichnet

Sind Menschen anfälliger für Krankheiten, so liegt sehr wahrscheinlich eine niedrige psychische Widerstandsfähigkeit vor. Wir sind verletzbarer und verwundbarer

Eine sichere Bindung, emotionale Fähigkeiten, auch kognitive und soziale Kompetenzen tragen zu unserem Wohlbefinden bei. Ebenfalls helfen uns Selbststeuerung, Selbstwahrnehmung und Selbststeuerung.

Wichtig sind Selbstwirksamkeitserfahrungen, die Zusammenarbeit und Kooperation mit Eltern und Institutionen und pädagogisch ausgebildete Fachkräfte, welche die Werte und Normen der Gesellschaft nahebringen.

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Was versteht man unter Resilienz?

Resilienz bezeichnet die psychische Widerstandsfähigkeit des Menschen

Man hört oft den bekannten Satz: „Was dich nicht umbringt, macht dich nur stärker„.

Genau das ist hier der Fall, dass man sich durch eine Krise oder eine Stresssituation nicht außer Bahn werfen lässt, sondern dass der Mensch durch dieses Problem, die Krise oder die Schwierigkeit, über sich selbst hinauswächst, noch stärker und widerstandsfähiger wird.

Es gibt Menschen, welche eine hohe psychische Widerstandsfähigkeit entwickelt haben und somit können sie positiver mit negativen Ereignissen umgehen und zugleich bleibt damit die psychische Gesundheit des Menschen aufrechterhalten oder wird schnell wieder hergestellt nach der Bewältigung dieses Ereignisses.

Auf der anderen Seite gibt es die, denen es schwerfällt, mit Krisen und den damit verbundenen negativen Emotionen umzugehen. Der Kopf des Menschen ist voll mit Gedanken & Sorgen und somit ist kein Abschalten möglich. Der Körper und die Psyche stehen unter totaler Anspannung.

In diesem Fall ist man zugänglicher für Krankheiten, da man eine geringe psychische Widerstandsfähigkeit besitzt, was mich auch schon zu der nächsten Begrifflichkeit führt.

Die Resilienz ist uns Menschen nicht angeboren und wird als kontextabhängiger Prozess bezeichnet. Das bedeutet im Laufe des Lebens lernen wir eigenständig gegen bestimmte Situationen, Probleme und Herausforderungen resilient zu werden.

➤ Dazu gehören belastende Situationen oder negative Emotionen wie z.B. Stress

Je nachdem, ob wir eine hohe oder niedrige psychische Widerstandsfähigkeit entwickelt haben, demnach zeigen sich die Auswirkungen in der Gesundheit des Menschen.

Gelingt es uns, mit negativen Ereignissen gut umzugehen, bleibt die psychische Gesundheit des Menschen aufrechterhalten und wir werden als resilient bezeichnet

Fällt es uns im Gegenzug schwer, so sind wir zugänglicher für Krankheiten

Das Gegenstück zur Resilienz ist die Verletzbarkeit und wird als Vulnerabilität bezeichnet. Damit wir uns aber gesund entwickeln können, gibt es die Schutzfaktoren, die uns in der kindlichen im Aufbau der Resilienz unterstützen.

Resilienzfaktoren – Schutzfaktoren

Unterschieden werden personale Ressourcen, soziale Ressourcen und Umfeld bezogene Ressourcen.

  • Personale Ressourcen umfassen dabei die kognitiven Fähigkeiten der Person, emotionale Fähigkeiten wie Emotionsregulierung bzw. Impulskontrolle und die 6 Säulen der Resilienz.

Dazu gehören: Selbstwahrnehmung, Selbstwirksamkeit, Selbststeuerung, soziale Kompetenzen, Umgang mit Stress und Problemlösungsorientierung

  • Soziale Ressourcen umfassen die eigene Familie, stabile Bindungen und mind. eine feste Bezugsperson, Erziehungsstil der Eltern, damit verbunden die eigene Kultur und das Bildungsniveau
  • Umfeld bezogene Ressourcen umfassen das unmittelbare Umfeld des Aufwachsens:
    • Armut – Wohlstand
    • Krieg – Frieden
    • Geschwister – keine Geschwister

Bei der Vielfalt der Schutzfaktoren zeigt sich, dass eine sichere Bezugsperson ein wesentlicher Schutzfaktor ist. Eine sichere Bindung führt zu Selbstsicherheit, Vertrauen, Exploration und zu einer hohen Belastbarkeit, der Resilienz.

Die 6 Säulen der Resilienz

Damit sich die Resilienz optimal entwickeln, werden die sechs Säulen der Resilienz unterschieden, die uns beim Aufbau unserer Fähigkeiten unterstützen.

Säule 1: Selbstwirksamkeit

  • Unter Selbstwirksamkeit wird die Fähigkeit verstanden, aus eigener Kraft heraus Herausforderungen zu bewältigen
  • Kinder lernen: Ich bewirke etwas und DAS, was ich bewirke, ist sehr gut
  • Erfolge werden auf das eigene Handeln zurückgeführt
  • Selbstwirksamkeitserfahrungen helfen uns stärker sowie resilient werden zu lassen und unterstützen den Aufbau unserer Selbstsicherheit
Selbstwirksamkeit
Selbstwirksamkeit

Säule 2: Selbststeuerung

  • Unter Selbststeuerung versteht man ein bewusstes Handeln aus eigener Verantwortung heraus
  • Kinder lernen, mit ihren Emotionen umzugehen und diese selbstständig regulieren zu können
  • Das Aufzeigen von Umgangsstrategien und Handlungsalternativen unterstützt die Kinder bei der Bewältigung

➤ Empfohlen wird, dass die Bewältigungsstrategie immer so eingesetzt wird, dass sich die Emotion darin wiederfindet

Ist das Kind voller Wut, so eignet sich hervorragend ein Selbstverteidigungs- oder Boxtrainingskurs.

➤ Das Zulassen aller Gefühle stellt allerdings eine wichtige Grundvoraussetzung dar, damit ein kompetenter Umgang mit Emotionen erlernt werden kann

Selbststeuerung
Resilienz - Definition, Schutzfaktoren, Förderung 11

Säule 3: Soziale Kompetenz

  • Soziale Kompetenz ist die Fähigkeit auf Menschen zugehen zu können, soziale Kontakte aufzunehmen und Konflikte angemessen zu lösen
  • Resiliente Kinder zeigen empathisches Verhalten und Einfühlungsvermögen

➤ Das bedeutet, sie können sich in die andere Person hineinfühlen, Emotionen einschätzen sowie angemessen auf diese reagieren

Soziale Kompetenz
Resilienz - Definition, Schutzfaktoren, Förderung 12

Säule 4: Selbst- und Fremdwahrnehmung

  • Die Selbst- und Fremdwahrnehmung beinhaltet die Wahrnehmung über die eigene Person und die Wahrnehmung anderer
  • Diese Fähigkeit hilft uns im Aufbau der Resilienz, indem wir eigene Kompetenzen nutzen
  • Wir entwickeln ein Gespür über uns selbst, über eigene Gefühle sowie anderer und entwickeln dabei eine gesunde Selbstreflexion

Wir können aus unserem Verhalten, Schlussfolgerungen für unser Handeln ziehen

Selbst- und Fremdwahrnehmung
Resilienz - Definition, Schutzfaktoren, Förderung 13

Säule 5: Problemlösungsfähigkeit

  • Darunter wird die Kompetenz verstanden, Probleme oder Schwierigkeiten wahrzunehmen, zu verstehen sowie lösen zu können
  • verschiedene Handlungswege werden kennengelernt, wodurch zukünftig Herausforderungen einfach bewältigt werden können
  • dabei ist es von großer Bedeutung, dass ich selbstsicher und bewusst, Entscheidungen treffen kann und mich entsprechend verhalte
Problemlösungsfähigkeit
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Säule 6: Stressbewältigung

  • Das ist die Fähigkeit, mit stressigen Situationen gut umgehen zu können, diese richtig einzuschätzen sowie überwinden zu können
  • Voraussetzung fürs Gelingen aber ist, die Bewertung und Reflexion der Situation, damit gezielte Bewältigungsstrategien genutzt werden können
Stressbewältigung
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Resilienztraining – Wie kann es gefördert werden?

Um Resilienz zu fördern, benötigen wir …

  • … eine klar definierte Umgebung in Bildungseinrichtungen:

➤ Darunter eine feste Struktur, transparente Regeln, Bildungsangebote zum Schaffen der Selbstreflexion und zum Aufbau der Selbstwahrnehmung

  • … Selbstwirksamkeitserfahrungen: Das ist die Erfahrung, aus eigener Kraft heraus, Herausforderungen zu bewältigen
  • Strategien und Methoden zur Bewältigung von neuen Lebensereignissen
  • Zusammenarbeit mit den Eltern
  • Kooperation mit anderen Institutionen
  • kompetente und fürsorgliche Fachkräfte, die Motivation und Mut schaffen, mit neuen Situationen umzugehen
  • Aufklärung über die Werte und Normen in der Gesellschaft

Kindern muss man Strategien oder Methoden aufzeigen, dass negative Erfahrungen oder Frust nicht schlimm sind und dass sie die Möglichkeiten haben, damit umzugehen.

Hier kannst du mit einem positiven Beispiel vorangehen: dass du optimistisch bist, eine positive Grundeinstellung hast oder dankbar für all die guten Dinge im Leben bist.

➤ Unser ganzes Empfinden und Wahrnehmen geben wir anderen weiter. Daher ist es so wichtig, sich immer wieder daran zu erinnern

Die Freude und der Erfolg im Leben bleibt trotz allen schwierigen Phasen, dem Stress, der Anspannung oder Trauer bedeuten, erhalten.

Resilienz sollte demnach gefördert werden, damit Ereignisse und Krisen leicht überwunden werden können.

Was ist Vulnerabilität?

Vulnerabilität bedeutet Verletzlichkeit oder Verwundbarkeit

Es ist das Gegenteil der Resilienz, dass der Mensch eine geringe psychische Widerstandsfähigkeit hat.

➤ Das bedeutet, es fällt ihm schwer, mit Belastungen, Problemen und Schwierigkeiten umzugehen

Weil man psychisch „schwach“ ist, steigt das Risiko für weitere Krankheiten wie z.B. die Entwicklung eines Burnouts.

Resilienz muss demnach gefördert werden, sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen

Im Kindesalter geht es auch schon los, dass Kinder negative Situationen annehmen müssen, sodass sie Grenzen und Regeln kennenlernen.

Der ganze Prozess zieht sich weiter, bis die Kinder erwachsen und älter werden. Jede neue Situation gibt ihnen die Chance, dass sie stärker aus dieser herauskommen.


Weitere Videos zu diesem Thema:

Resilienz: Vulnerabilität: Zum Video

Resilienz: Schutzfaktoren: Zum Video

Resilienz: 6 Säulen: Zum Video


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