Die 5 Gruppenphasen Nach Bernstein & Lowy

Gruppenphasen Bernstein Lowy
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Kategorie: Erzieherwissen

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19.06.2022

Jede Gruppe durchläuft nach Entstehung mehrere Phasen. Bernstein und Lowy definierten folgende Gruppenphasen:

  • Orientierungsphase
  • Machtkampfphase
  • Vertrautheitsphase
  • Differenzierungsphase
  • Abschluss- und Trennungsphase

Exploration, Erforschung, Vertrauen, Bindungen und Beziehungen spiele eine zentrale Rolle. Eine Gruppe findet sich neu im Kindergarten, im Erzieherberuf und benötigt Zeit, Vertrauen zu schaffen, um gemeinsame Herausforderungen zu bewältigen.

‚Ė∂ÔłŹ Jedes Individuum muss seine Gruppenrolle finden. Dabei entstehen Machtk√§mpfe und Konflikte.

‚úÖ Aufgabe von uns Erziehern ist es, die Gruppe zu unterst√ľtzen, Anregungen und Impulse zu schaffen, aber auch soll die Gruppe versuchen, Konflikte eigenst√§ndig zu l√∂sen. Nur so kann eine gute Zusammenarbeit im Team gelingen und jeder kann seine Bed√ľrfnisse zum Ausdruck bringen. Mit einem optimalen Verlauf der Gruppenphasen entstehen neue Kompetenzen und F√§higkeiten, welche zum Erfolg im p√§dagogischen Handeln f√ľhren.

Mehr und ausf√ľhrlichere Informationen, mit vielen Beispielen zu den Phasen in der Gruppe nach Bernstein und Lowy, erf√§hrst du in diesem Artikel!

Gruppenphasen nach Bernstein & Lowy | Erzieherwissen

‚¨ÜÔłŹ Hier gelangst du zum Video! ‚¨ÜÔłŹ

1. Orientierungsphase

Die Orientierungsphase stellt die erste Phase im Gruppenprozess dar und wird daher auch als die Fremdheitsphase bezeichnet. Sie symbolisiert das Ankommen in der Gruppe. Die Gruppenmitglieder sind in dieser Phase eher unsicher und zur√ľckhaltend, die Gef√ľhle und Emotionen k√∂nnen daher unterschiedlich schwanken.

Sie gehen noch keine festen Bindungen ein, da sie nicht wissen, welches Verhalten in dieser Gruppe angemessen ist. Daher denken sie noch hauptsächlich an sich, da kein grundlegendes Vertrauen in der Gruppe aufgebaut ist.

Orientierungsphase
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‚úÖ Es ist die Aufgabe als p√§dagogische Fachkraft, die Mitglieder behutsam zu empfangen und zu ber√ľcksichtigen, dass einige Mitglieder noch mehr Distanz ben√∂tigen als andere, da sie sich noch nicht untereinander kennen. Au√üerdem sollten ausreichend M√∂glichkeiten vorhanden sein, den Kindern Freiraum zu gew√§hrleisten, damit eine angenehme Atmosph√§re vorhanden ist. Die p√§dagogische Fachkraft kann die Kinder hier beobachten, Angebote f√ľr Kontaktm√∂glichkeiten schaffen, die Kinder aber nicht zum Kontakt zwingen.

2. Machtkampfphase

In der zweiten Phase werden die Rollen der sp√§teren Gruppe verteilt. Mitglieder wollen Einfluss auf das Gruppengeschehen nehmen und Macht aus√ľben. Dies wird mit allen Mitteln versucht. Manche Rollen in der Gruppe erlangen mehr Macht als andere. Es gibt Sieger und Besiegte.

‚Ė∂ÔłŹ Dies f√ľhrt innerhalb der Gruppe zu Spannungen und Unruhen. Der eine m√∂chte besser sein als der andere. Zum Teil geschieht es, dass sich die Gruppenmitglieder gegen die Leitung auflehnen, einige Gruppen haben √ľberhaupt Schwierigkeiten, die Phase zu √ľberwinden.

‚úÖ Auch kommt es beim Treffen neuer Entscheidungen vor, dass Gruppen in diese Phase zur√ľckfallen. In dieser Phase haben p√§dagogische Fachkr√§fte die Aufgabe, negative Rollen einzelner Gruppenmitglieder zu erkennen und wenn m√∂glich einzuwirken.

Machtkampfphase
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Beispiel: Die Rolle des Au√üenseiters wird wieder in die Gruppe mit eingebunden, w√§hrend dominante Personen in ihrem Handeln gebremst werden. Wichtig ist es, im Handeln neutral zu bleiben und ein Vorbild f√ľr die Gruppe zu sein, damit gr√∂√üere Machtk√§mpfe sich nicht auf das Wohlbefinden der Gruppe auswirken.

3. Vertrautheitsphase

Die dritte Phase ist die Vertrautheitsphase, auch als Intimitätsphase bezeichnet. Ist die Rollenverteilung abgeschlossen und klar definiert, welche Personen welche Rolle hat, so werden Konflikte geringer.

Die Mitglieder k√∂nnen sich mittlerweile einsch√§tzen und kennen die Regeln der Gruppe. Sie identifizieren sich mit der Gruppe und ein gemeinsames WIR-Gef√ľhl, dass ‚Äúwir‚ÄĚ als Gruppe eine Einheit sind, entsteht. Nach au√üen grenzt sich zwar die Gruppe ab, intern entstehen jedoch Untergruppen.

Vertrautheitsphase
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‚úÖ Gemeinsame Symbole werden entwickelt, wie zum Beispiel √§hnliche Kleidung oder ein gleicher Haarschnitt. Jeder will gleich sein. Wichtig ist hier das Schaffen von Freir√§umen, das Gef√ľhl der Zusammengeh√∂rigkeit soll gest√§rkt werden. Die Gruppe beobachten und bei Konflikten, nur wenn notwendig eingreifen, sind zwei weitere zentrale Aufgaben. Selbstverantwortung wird der Gruppe immer mehr √ľbertragen.

4. Differenzierungsphase

Die Differenzierungsphase ist die goldene Zeit f√ľr Aktivit√§ten und Programme – Warum?

Die Gruppe ist erwachsen, Machtk√§mpfe sind beseitigt, die Gruppe wird stabiler. F√§higkeiten jedes Individuums werden von nun an als Bereicherung f√ľr die Bew√§ltigung zielorientierter Aufgaben angesehen. Die Gruppe √∂ffnet sich nach au√üen, die Atmosph√§re ist harmonisch und das Gruppenbild wird als ideal wahrgenommen.

Differenzierungsphase
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‚úÖ Die p√§dagogischen Fachkr√§fte ziehen sich hier immer mehr zur√ľck, die Gruppe selbst ist handlungsf√§hig. Konflikte und kleinere Probleme k√∂nnen meist eigenst√§ndig bew√§ltigt werden. Erzieher und Erzieherinnen unterst√ľtzen lediglich noch in der Kontaktaufnahme anderer Gruppen, damit sie sich gegen√ľber anderer Gruppen profilieren k√∂nnen. Ein starkes Gemeinschaftsgef√ľhl wird entwickelt.

5. Abschluss- und Trennungsphase

Das ist die letzte Gruppenphase. Kommen wir an diesem Punkt an, wird die Gruppe sich aufl√∂sen. Dies kann unterschiedliche Gr√ľnde haben:

  • das Zusammensein wird nicht mehr als spannend erlebt
  • andere Interessen entstehen
  • das Gruppenziel wurde erreicht

Dies ist ganz typischer Fall (Gruppenziel), wenn Kinder den Kindergarten verlassen, da sie in die Schule kommen. Die Vorschulkinder verabschieden sich und neue Kinder kommen im neuen Jahr hinzu. Die Gruppe wird dann erneut durchmischt.

ūüí° Es kann vorkommen, dass es kurz vor der Trennung zu einem Klammern kommt. Dann beginnt der Gruppenprozess vorwiegend wieder von vorne.

Abschluss- und Trennungsphase
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ūüéĮZiel ist es, zu erkennen, was die Gruppe in diesem Moment braucht. Wichtig ist es zuzulassen, andere Wege zu gehen und offen √ľber das Ende der Gruppe zu sprechen. Die Planung eines gemeinsamen, sch√∂nen Abschieds erleichtert den √úbergang und rundet die letzte Phase ab.

Hier kann beispielsweise der Kindergarten mit der Schule zusammenarbeiten, um diesen √úbergang zu gestalten.

Zusammenfassung

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1) Die Orientierungsphase kennzeichnet sich durch Explorationen, Erforschung, Untersuchung und Orientierung. Das Dilemma von Annäherung und Ausweichen steht im Vordergrund. Ziel ist der langsame Aufbau von Vertrauen und ersten Bindungen.

Deshalb sollte man:

  • Freiheit erm√∂glichen
  • Distanz zulassen
  • Kein Miteinander arbeiten
  • Kennenlernen f√∂rdern
  • Paralleles individuelles Spiel

‚Ė∂ÔłŹ Sachlichkeit muss √ľberwiegen.

2) In der Machtkampfphase steht das ICH-Denken im Vordergrund. Mitglieder kämpfen um Positionen und Funktionen, die Rollenbildung beginnt.

Deshalb sollte man:

  • Freiheit erm√∂glichen
  • Grenzen setzen
  • Konflikte verbalisieren: durch Streitgespr√§ch oder Rollenspiele
  • Konflikte kl√§ren
  • Schutz bieten
  • Ein Vorbild sein
  • St√§rken einzelner erkennen
  • M√∂glichkeiten schaffen, etwas gemeinsam zu meistern

3) In der Vertrautheitsphase erfahren Beziehungsverhältnisse, Stabilität. Mitglieder sind bereit sich zu explorieren, gehen Wagnisse und Bindungen ein und möchten gleich sein.

Deshalb sollte man:

  • Auf l√§ngere Sicht hin planen
  • Die Gruppe selbst planen lassen
  • Misserfolge hinnehmen
  • Beim L√∂sen von Konflikten helfen
  • Interne Gruppenarbeit erm√∂glichen

4) Die Differenzierungsphase ist die goldene Zeit, die beste Zeit f√ľr Aktivit√§ten und Programme. Die Gruppe ist selbstsicherer, es ist geplant, die Kooperation zu anderen Gruppen ist vorhanden und viele Rollenspiele finden statt.

Deshalb sollte man:

  • die Zeit produktiv nutzen
  • die Aktionen mit anderen Gruppen gestalten
  • die Auswertung zur Stabilisierung des Gelernten vornehmen

5) Die Abschluss- und Trennungsphase kennzeichnet sich durch die Aufl√∂sung der Gruppe. Verschiedene Gr√ľnde liegen vor, neue Chancen und M√∂glichkeiten entstehen zugleich.

Deshalb sollte man:

  • einen Abschied planen: Fahrten, Programme, letzte Feier

‚Ė∂ÔłŹ Der bisherige Lernprozess wird als Erfahrung ausgewertet. Die Aufl√∂sung soll unterst√ľtzt werden, die T√ľren nicht schlie√üen, Prognosen in der Zukunft erm√∂glichen, wie Besuche, sowie sollten Erinnerungen verewigt werden.


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2 Kommentare

  1. Informativ, √ľbersichtlich, auf den Punkt gebracht: weiter so!

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